Gesundheiter

Meditative Praxis

„Wenn ich Arzt wäre und man fragte mich, was rätst du? - Ich würde antworten: Schafft Schweigen!“ Dieses Zitat stammt vom Philosophen Søren Kierkegaard und möchte auf den Lärm hinweisen, der häufig den Alltag beherrscht. Es gibt viele Arten von Lärm, jedoch nur eine Stille, und es ist gesund, in ruhiger Umgebung die Fülle des Schweigens zu genießen und in die ursprüngliche Seelenruhe zu gelangen, die wir schon vor der Geburt im warmen Mutterleib verspürten. Durch Meditation können wir runterfahren in das Zentrum des leiblichen Körpers und kraftvoll aus der energetischen Mitte leben, die in der östlichen Philosophie Hara genannt wird.

Meditative Praxis ist heilsamer als wir denken - Meditieren hat vielfältigen Nutzen bezüglich unserer Gesundheit. Beim stillen Meditieren kann zunächst die eigene Atmung verbessert werden, denn bei der meditativen Praxis wird kein Wert auf die flache und schnelle Brustatmung gelegt, sondern auf die langsame und tiefe Bauchatmung. Dadurch entwickelt sich ein ruhiges Gefühl, dadurch können sich Muskelspannungen lösen und zudem kann auch der weiche Blick geschult werden, der eine Lösung der Objektfixierung ermöglicht.

Weiterhin können wir durch meditative Praxis die Selbstheilungskräfte stärken, intuitive Einsichten gewinnen und inneren Frieden finden. In der Stille ruht die Lebenskraft, die uns eine liebevolle Präsenz vermittelt, und durch das wahrheitserfüllte Schweigen des Meditierens können wir Schritt für Schritt zur körperlichen Mitte finden. Dann können wir den Geist ruhen lassen, wo der Körper ist, dann können wir gelassen die Gegenwart wahrnehmen, dann können wir uns selbst ein Licht sein und mitfühlend dem wahren Leben hingeben.

Selbsthingabe ist kreative Lebensbejahung und diese philosophische Kunst können wir achtsam erlernen, wenn wir dem natürlichen Atemfluss lauschen ~ einatmen ~ ruhen ~ ausatmen. Es gibt gewisse Funktionen, die auf keine erdachte Technologie zurückzuführen sind, und Atmung ist eine solche Funktion. Ihr Vorhandensein ist für die Aufrechterhaltung des Lebens vom ersten bis zum letzten Atemzug wesentlich, und durch meditative Hingabe können wir dem Atem unsere Beachtung schenken und erkennen, was wirklich ist.

Im Buch Meditation für Skeptiker beschreibt Ulrich Ott die meditative Hingabe so: „Diese Art der Beschäftigung mit den eigenen Gedanken soll Ihnen die Denktätigkeit als solche bewusster machen und dient zugleich der Einsicht in die Tatsache, dass Sie mehr sind als ihre Gedanken. Wenn Sie Meditation praktizieren, um Selbsterkenntnis zu erlangen, lautet die Königsfrage letztendlich: »Wer bin ich?« Die Beantwortung dieser Frage in der Meditation erfordert keinen Denkprozess, sondern einen fundamentalen Wechsel in der Wahrnehmung in einen Modus der Anschauung, der als Selbstwesensschau, Erwachen oder Erleuchtung bezeichnet wird.“